Alt genug von Ildikó von Kürthy

„Die Party ist noch lange nicht vorbei. Aber ich geh trotzdem schon mal nach Hause.“

Alt genug ist mir spontan im Buchladen in die Hand gefallen und der Klappentext hatte mich sofort, weil ich genau in der Altersklasse bin, um die es in diesem Buch geht.

Mir war beim Kauf aber überhaupt nicht bewusst, wie gut dieses Buch eigentlich zu mir passt. Und manchmal denke ich wirklich, dass die richtigen Bücher uns genau zur richtigen Zeit finden.

Ich musste teilweise Tränen lachen, weil ich mich in so vielen Gedanken und Situationen wiedergefunden habe. Dieses Älterwerden, die Gedanken über das Leben, die Wechseljahre, die Unsicherheiten, das Hinterfragen von allem und gleichzeitig dieser Wunsch, endlich freier und mutiger zu sein.

Am interessantesten fand ich aber die Parallelen zwischen Ildikó und mir. Ich hätte nie gedacht, dass sie ebenfalls eine Angststörung hat — so wie ich. Und die Art, wie sie darüber schreibt, konnte ich einfach fühlen. Ehrlich, offen und ohne sich zu verstecken.

Auch die Zeit mit ihrer an Krebs erkrankten Freundin hat mich unglaublich berührt. Vielleicht auch deshalb, weil wir mittlerweile selbst drei Freunde daran verloren haben und sie bis zum Tod begleitet haben. Die Zahl der schmerzhaften Abschiede steigt leider stetig an. Aber gleichzeitig bleiben eben auch viele schöne Erinnerungen.

Und genau darum geht es in diesem Buch irgendwie auch: um das Leben zwischen Licht und Schatten. Zwischen Angst und Mut. Zwischen Loslassen und Festhalten.

Ich glaube, viele Frauen in der Lebensmitte werden sich in diesem Buch wiederfinden. Dieses Gefühl, dass sich etwas verändert. Dass man nicht mehr die Frau von vor zwanzig Jahren ist. Dass man sich manchmal selbst fremd wird — und sich gleichzeitig vielleicht zum ersten Mal wirklich kennenlernt.

Auch die Beschreibung der Wechseljahre passt gerade sehr zu meiner eigenen Lebensphase. Dieses emotionale Chaos, die Selbstzweifel, die Müdigkeit und gleichzeitig die Erkenntnis, dass man nicht mehr jedem gefallen muss.

Besonders schön fand ich auch die Gedanken übers Schreiben. Ich träume noch immer vom eigenen Roman. Aber schon das Schreiben meines Blogs hilft mir unglaublich. Meine Gedanken aufzuschreiben befreit mich irgendwie und manchmal fühlt es sich an, als würde dadurch vieles leichter werden.

Dieses Buch war für mich deshalb viel mehr als nur ein Roman. Es war eher wie ein ehrliches Gespräch mit einer Frau, die sich traut, laut auszusprechen, was viele vielleicht nur leise denken.

Mein Fazit:
Ob das Buch jede Frau in der Lebensmitte so anspricht wie mich, kann ich nicht sagen. Aber für mich war es genau der richtige Roman zur richtigen Zeit — mit genau den Themen, Gedanken und Gefühlen, die mich gerade beschäftigen. Ehrlich, mutig, traurig, lustig und unglaublich nahbar.

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Author: Die Plaudertasche

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