Manchmal ist der schwerste Weg im Leben der durch die eigene Haustür.
Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mich auf eine ganz besondere Weise berührt hat. Ein Buch, in dem ich mich an vielen Stellen wiedergefunden habe und das mich gedanklich noch einmal in eine Zeit meines Lebens zurückgeführt hat, die ich inzwischen zum Glück hinter mir lassen konnte.
Es geht um den Roman „Und morgen ein neuer Tag“ von Claire Alexander, erschienen im Goldmann Verlag.
Worum geht es?
Meredith hat seit über drei Jahren ihr Haus nicht verlassen. Genau genommen sind es 1.214 Tage.
Für Außenstehende scheint ihr Leben trotzdem recht gut zu funktionieren. Sie arbeitet von zu Hause, trifft ihre beste Freundin zum Brunchen, liebt ihre Bücher und kocht gerne.
Doch hinter ihrer verschlossenen Haustür verbirgt sich eine Geschichte, über die Meredith nicht sprechen möchte.
Als Tom in ihr Leben tritt, beginnt sich langsam etwas zu verändern. Aber die Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln.
Ein Roman über Ängste, Freundschaft, Vertrauen und den Mut, sich das eigene Leben zurückzuerobern.
Wenn man plötzlich seine eigene Geschichte zwischen den Buchseiten findet
Ihr Lieben, wer meinen Blog schon länger verfolgt, kennt vielleicht meine Rubrik „Hallo Leben – mein Weg aus der Angst“.
Dort habe ich vor einigen Jahren begonnen, über meine eigene Angststörung zu schreiben. Über eine Zeit, in der meine Welt immer kleiner wurde und selbst ganz alltägliche Dinge zu riesigen Herausforderungen wurden.
Deshalb konnte ich mich unglaublich gut in Meredith hineinversetzen.
Ich weiß nämlich, wie es sich anfühlt, wenn man das eigene Zuhause kaum noch verlassen kann. Wenn man sich etwas vornimmt, allen Mut zusammennimmt, vor die Tür geht und die Angst plötzlich so groß wird, dass man nur noch nach Hause möchte.
Wie oft bin ich irgendwo hingefahren und war schneller wieder zurück, als mir lieb war. Und selbst wenn ich es geschafft habe, unterwegs zu bleiben, war ich meistens so angespannt, dass von einem unbeschwerten Ausflug keine Rede sein konnte.
Während andere Menschen einfach ins Auto steigen, einkaufen gehen oder Freunde besuchen, wird für einen selbst schon der kleinste Weg zur Mutprobe.
Und genau deshalb hat mich Merediths Geschichte so sehr berührt.
Die kleinen Schritte sind manchmal die größten Erfolge
Was ich beim Lesen immer wieder gespürt habe, war die Erinnerung an meine eigenen kleinen Erfolge.
Ich weiß noch ganz genau, wie unglaublich stolz ich auf mich war, wenn ich wieder einen neuen Schritt in Richtung Freiheit geschafft hatte.
Für andere Menschen waren das vielleicht völlig alltägliche Dinge. Für mich waren es kleine Siege über eine Angst, die mein Leben jahrelang bestimmt hatte.
Und wisst ihr was? Auf diese Schritte bin ich heute noch stolz.
Denn niemand, der nicht selbst einmal in einer solchen Situation war, kann wirklich nachempfinden, wie viel Kraft es kosten kann, etwas zu tun, das für andere selbstverständlich ist.
Es geht eben nicht darum, einfach nur vor die Tür zu gehen. Es geht darum, sich Stück für Stück sein Leben zurückzuholen.
Ein Roman, aus dem ich sogar etwas mitgenommen habe
Besonders interessant fand ich auch die Tipps und Aufgaben, die Meredith von ihrer Therapeutin bekommt.
Einige dieser Anregungen haben mich so angesprochen, dass ich sie mir tatsächlich herausgeschrieben habe.
Vielleicht brauche ich sie irgendwann einmal, falls die Angst doch noch einmal zurückkommen sollte. Vielleicht aber auch nicht.
Trotzdem finde ich es schön, diese Gedanken für mich festgehalten zu haben.
Natürlich ersetzt ein Roman keine Therapie. Aber manchmal begegnen uns in Büchern Gedanken, die wir gerne mit in unser eigenes Leben nehmen möchten.
Und genau das war hier der Fall.
War das wirklich einmal mein Leben?
Es gibt heute Momente, in denen ich im Auto sitze, irgendwohin unterwegs bin und plötzlich an früher denken muss.
Dann frage ich mich manchmal tatsächlich, ob das alles nur ein schlechter Traum gewesen ist.
Ob ich wirklich einmal der Mensch war, der kaum vor die Tür gehen konnte. Der so vieles gerne gemacht hätte, aber von seiner Angst daran gehindert wurde.
Und dann wird mir wieder bewusst, wie unglaublich viel sich verändert hat.
Ich kann heute wieder reisen, mit unserem Wohnmobil unterwegs sein, neue Orte entdecken und einfach losfahren.
Dinge, von denen ich früher oft nur träumen konnte.
Vielleicht hat mich Merediths Geschichte gerade deshalb so sehr berührt. Weil sie mich nicht nur an die schweren Jahre erinnert hat, sondern auch daran, wie wertvoll meine Freiheit heute für mich ist.
Ein ganz besonderer Moment auf meinem Weg zurück ins Leben war übrigens das Konzert von Unheilig. Dieser Abend war für mich so viel mehr als nur ein Konzert. Er war der emotionale Abschluss meiner jahrelangen Reise aus der Angst. Ein Moment, in dem ich endlich sagen konnte: Ich habe es geschafft! ❤️
Warum gerade dieser Abend für mich eine so große Bedeutung hatte, könnt ihr in meinem persönlichen Blogbeitrag nachlesen:
👉 Das Konzert, das für mich das Ende meiner Angststörung war
Mein Fazit
„Und morgen ein neuer Tag“ ist für mich ein wunderschöner, berührender Roman über Ängste, Hoffnung, Freundschaft und die kleinen Schritte, die manchmal ein ganzes Leben verändern können.
Ich konnte Merediths Gefühle und ihren Weg sehr gut nachvollziehen. Und auch wenn jeder Mensch seine eigene Geschichte hat, habe ich beim Lesen immer wieder an meinen persönlichen Weg zurück ins Leben gedacht.
Dieses Buch hat mich nicht nur unterhalten, sondern auch daran erinnert, wie viel ich selbst inzwischen geschafft habe.
Für mich ist es deshalb ein ganz besonderes Buch, das einen festen Platz in meinem Bücherregal bekommt.
Denn manchmal vergessen wir vor lauter Alltag, wie weit wir eigentlich schon gekommen sind.
Wenn ihr mehr über meine eigene Geschichte erfahren möchtet, schaut gerne in meiner Blogrubrik „Hallo Leben – mein Weg aus der Angst“ vorbei.
Und jetzt würde mich interessieren: Habt ihr schon einmal ein Buch gelesen, in dem ihr euch selbst ein Stück weit wiedergefunden habt?
