Fortschritte in Riesenschritten – Angst bleib weg

Manchmal muss man einfach etwas Mut haben und über seinen eigenen Schatten springen und es eröffnen sich Dinge und Wege, von denen man immer nur träumen konnte.

Viel zu lange hatte meine Angststörung mein Leben im Griff und ich konnte nichts mehr tun. Noch nicht mal mehr einkaufen. Bis ich endlich angefangen habe, mir Schritt für Schritt mein Leben zurückzuholen.

Seltsame Mutter, die einfach aus dem Supermarkt rennt…

Jeder Einkauf im Supermarkt, jeder Geburtstag war eine Qual. Jeder Weg zum Kindergarten brauchte mehrere Anläufe. Wie oft habe ich den Einkaufswagen im Supermarkt stehen gelassen und bin weggelaufen. Von den Versuchen in den Urlaub zu fahren, bei denen wir mehrmals starten mussten ganz zu schweigen. Und wenn wir es dann in den Urlaub geschafft hatten, habe ich den Wohnwagen kaum verlassen. Das war mein Leben, aber das war nicht lebenswert. Es war anstrengend und hat mich extrem viel Kraft und vor allem Lebenszeit gekostet. Die Zeit als die Kinder klein waren, hätte ich gerne leichter und entspannter mit ihnen verbracht. So wie normale gesunde Mütter eben. Aber ich habe immer versucht, meinen Kindern trotzdem alles zu ermöglichen und das sie möglichst wenig von meiner Krankheit mitbekommen. Erst jetzt, wo sie erwachsen sind, wissen sie warum ich mich manchmal so merkwürdig verhalten habe.

Selbstvorwürfe helfen nicht

Meine Tochter erzählt noch heute: Wenn wir irgendwo waren und Mama gesagt hat „Wir gehen jetzt“, dann sind wir sofort gegangen, egal wo wir gerade waren und es gab keine Diskussion. Sie erzählt das heute mit einem Lachen und ich glaube und hoffe, das es die Kinder nicht belastet hat, sondern das ich die Balance ganz gut hinbekommen habe, auch wenn ich selbst immer unzufrieden mit mir war und gerne mehr gegeben hätte. Wie oft habe ich weinend im Bett gelegen, weil ich mich über mich selbst geärgert habe und mich als Versagerin gefühlt habe. Wenn ich heute drüber nachdenke, sehe ich das anders. Denn ich habe sehr viel erreicht und sehr viel aufgebaut. Ich kann auf meine Familie und auf mich stolz sein.

Und zum Glück ist die schlimmste Zeit vorbei, wie ich schon in meinem Beitrag „Das Ende einer langen Reise“ geschrieben habe, bin ich von den Antidepressiva weg und habe enorme Fortschritte gemacht. Die Angststörung merkt man mir nur noch sehr selten an, weil ich mittlerweile ein fast normales Leben zurück erobert habe. Die Depressionen überkommen mich manchmal noch, aber zum Glück halten die Tiefs nicht sehr lange an.

Corona war eine neue Hürde

Einen kleinen Rückfall hatte ich durch die Corona-Pandemie, die Angst um meine Familie und die Einschränkungen die mich aus meinem Flow gerissen haben. Am meisten Angst hatte ich um meine Tochter, die im Krankenhaus und teilweise auch auf der Coronastation gearbeitet hat. Das hat mich alles überfordert und ich hatte wieder eine depressive Phase, aber die ist zum Glück auch vorüber und wem ging es schon im Lockdown gut? Darüber habe ich, aber schon in einem anderen Blogbeitrag geschrieben.

Was mir in der Krise weitergeholfen hat?

Ich habe versucht das Beste aus der Coronasituation zu machen und trotzdem weiterzuüben. Ich habe mich immer wieder genau in die Situationen gebracht, die mir am meisten Angst gemacht haben und habe sie gemeistert. Danach war ich einfach nur glücklich, zufrieden und irgendwie befreit.

Vor dem Lockdown bin ich zu kleinen Konzerten gegangen, habe Tagesausflüge gemacht und war auf Märkten, im Kino und verschiedenen Veranstaltungen. Dinge die früher überhaupt nicht mehr möglich waren. Und mit jeder Sache auf meiner Wunschliste, die ich gemeistert habe, bin ich glücklicher, freier und mutiger geworden. Sehr geholfen hat mir der Kauf unseres Wohnmobils, da ich so immer mein „Zuhause“ und einen Rückzugsort dabei habe, an dem ich mich wohl fühle. Das Experiment Wohnmobil von dem ich euch hier bereits erzählt habe, hat mir enorm viel gebracht. Auch wenn wir lange nicht darin Übernachten durften, haben wir einfach mal Tagesausflüge damit unternommen um nicht aus der Übung zu kommen. Mit unserer Hexe, wie wir unser Wohnmobil nennen, kann ich überall hin. Das ist für mich Freiheit und Lebensfreude pur …. bis dann der Sommerurlaub kam.

Horrorszenarium im Sommerurlaub

Wir haben uns riesig gefreut, dass wir endlich wieder in den Urlaub fahren können und ein Ziel in Deutschland gewählt, da wir zur Zeit noch nicht ins Ausland möchten. Im Sommerurlaub wurde ich dann zwangsläufig einer meiner schlimmsten Ängste ausgesetzt …. eine Autopanne zu haben und nicht mehr mit meinem fahrenden Zuhause, unserer Hexe nach Hause zu kommen.

Wir hatten auf dem Weg zur Ostsee einen Getriebeschaden und mussten das Wohnmobil vom ADAC abholen lassen. Weg war mein sicheres Zuhause und wir hatten dann nur noch ein Leihauto um nach Hause zu kommen.

Das war das Horrorszenario für mich schlechthin. Aber ich habe mir nach einer heftigen Panikattacke gesagt – da musst du jetzt durch. Wenn du das schaffst, schaffst du alles. Und was soll ich sagen, ich habe es geschafft und es hat mich viel stärker und mutiger gemacht. Auch das wir am Abreisetag 7 Stunden auf den ADAC warten mussten, habe ich mit Humor gemeistert, mich an den Strand gesetzt und Türme aus Steinen gebaut. Ich habe es besser gemeistert als wir alle gedacht haben. Mein Mann ist immer noch unendlich stolz auf mich und wir wissen beide, das das eigentlich ein kleines Wunder ist.

2. große Prüfung

Da ich den Ostseeurlaub mit Panne gut überstanden habe und das Wohnmobil danach erstmal zwei Monate in der Werkstatt stand, mussten wir zwangsläufig einen Schritt weiter gehen um meine Freundin im Urlaub zu überraschen. Wir haben es dann gewagt mit dem Auto für ein Wochenende in ein Hotel in Bayern zu fahren.

Was soll ich sagen, 2. Urlaub – 2. Panne. Diesmal waren es die Bremsen, die auf einmal nicht mehr aufgegangen sind. Also saßen wir erstmal in einem Dorf in Bayern fest, bis wir einen Leihwagen hatten. Zum Glück haben wir diesmal aber eine Werkstatt gefunden, die unser Auto vor Ort repariert hat und wir konnten mit dem eigenen Auto nach Hause. Eigentlich habe ich diese Panne nur noch mit Kopfschütteln und Humor genommen, denn soviel Pech kann eigentlich kein Mensch haben. Aber vielleicht war es einfach nur Schicksal und ich sollte so meine Angst vor Pannen überwinden. Es hat auf jeden Fall geklappt, denn ich habe es wieder gut gemeistert und es hat mich lockerer und mutiger gemacht.

Die Überraschung für meine Freundin ist auch total gelungen. Sie hatte Geburtstag und wir standen überraschend vor ihrer Ferienwohnung. Sie konnte sich gar nicht mehr beruhigen vor Freude und das hat mich einfach nur glücklich gemacht und die Panne vergessen lassen. Wir hatten einfach ein tolles Wochenende in den Bergen.

Das was ich Euch eigentlich erzählen wollte, ist die Hürde die ich jetzt gemeistert habe. Aber da der Beitrag schon so lange ist, erzähle ich Euch davon im nächsten Beitrag.

Gibt es Dinge vor denen Ihr Angst habt? Oder leidet ihr vielleicht auch an einer Angststörung oder Depressionen?

Eure Freya

Autor: Die Plaudertasche

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6 thoughts

  1. Das muss sehr schwer für dich sein! Ich glaube, in solche Ängste kann man sich gar nicht hineinversetzen, wenn man das noch nie selbst erlebt hat! Ich kenne sehr schwere Tage, aber darüber möchte ich im Internet nicht schreiben. Aber Angststörungen zum Glück nicht! Deshalb schön, dass du so große Fortschritte machst! Weiter so!

    Liebe Grüße
    Jana

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen dank liebe Jana für die lieben Wort. Leider haben wir wohl alle schon schwere Zeiten oder Tage gehabt. Ich hoffe das ist bei dir vorüber und es geht dir gut. Wünsche Dir einen schönen Sonntag.

      Alles Liebe
      Freya

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  2. Hallo Freya,
    das hört sich sehr anstrengend an, eine Zerreisprobe. Aber das wichtigste ist niemals aufzugeben, denn Rückschläge machen einen nur noch stärker. Das habe ich selbst schon oft erlebt. Du hast so recht, dass es sich lohnt, weiter zu machen und nach vorne zu schauen. Auch wenn es aussichtslos erscheint, man darf niemals aufgeben. Wünsche dir alles Gute. LG Melissa

    Gefällt 1 Person

  3. Puh, ich stelle mir das Leben mit Angststörung sehr anstrengend vor.
    Und doch zeigt deine Erzählung, dass es nie zu spät ist und sich Dinge immer wieder ändern.
    Eine Freundin sagte zu mir: „Du bekommst eine Herausforderung so oft gestellt, bis du sie endgültig gemeistert hast.“
    Liebe Grüße
    Suse

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    1. Liebe Suse,
      vielen Dank für deine motivierenden Worte. Ich bin sehr froh das der Horror für mich mittlerweile fast vorbei ist und es hat mich eindeutig stärker und selbstbewusster gemacht. Ich möchte mit meinen Post anderen Betroffenen zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Ich hätte nie gedacht das ich mal wieder ein normales Leben führen kann. Aber es geht und ich weiß jeden Tag und jedes kleine Glück viel mehr zu schätzen.

      Alles Liebe
      Freya

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